Ortsgeschichte
Schondorf: Vom Fischerdorf zum Künstlerort
Vom Fischer- und Bauerndorf zur gesuchten Sommerfrische: Der Bahnanschluss von 1898 machte Schondorf binnen weniger Jahre zu einem Ort der Künstler, Pädagogen und Städter.
Am 30. Juni 1898 fuhr der erste Zug der neuen Ammerseebahn von Mering über Geltendorf nach Schondorf; noch im Dezember desselben Jahres war die Strecke bis Dießen vollendet. Über den Kreuzungsbahnhof Geltendorf war das Westufer nun bequem von München aus erreichbar, von Norden kam man von Augsburg. Der Schondorfer Bahnhof mit Wartehalle und Güterschuppen von 1898 steht heute als Ensemble unter Denkmalschutz – er ist gewissermaßen das Eingangstor dieser Geschichte.
Mit der Bahn kamen die Städter: Künstler, Fabrikanten und Professoren bauten sich Landhäuser und Villen über dem Seeufer – vom Heimatstil bis zum Art déco. Die Denkmalliste verzeichnet allein in der Seestraße eine ganze Reihe von Zeugnissen dieser Zeit, darunter das Landhaus Seestraße 47 von Max Joseph Gradl. Um 1905 entstand mit dem reformpädagogischen „Landheim“ ein Internat, das Schondorf weit über Bayern hinaus bekannt machte; an der Seestraße 55 verbrachten später Bertolt Brecht und Helene Weigel ihre Sommer.
Max Joseph Gradl, 1910 aus Stuttgart zugezogen, wurde zum prägenden Architekten dieses Aufbruchs: Landhäuser am Seeberg und an der Seestraße, das Villenanwesen Röhm mit seinem Pförtnerhaus, die Art-déco-Ufermauer der Seeanlagen und das Badehaus des Strandbads tragen seine Handschrift. Kaum ein zweiter Ort am Ammersee zeigt das Werk eines einzelnen Gestalters so dicht wie Schondorf.
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