Schondorf · Utting · Holzhausen — Das Ammersee-Westufer

Als die Kunst an den Ammersee zog

Um 1900 verband die neue Ammerseebahn das stille Westufer mit München und Augsburg – und aus Fischerdörfern wurde eine Künstlergemeinde. Max Joseph Gradl, Jugendstil-Gestalter von europäischem Rang, zog 1910 nach Schondorf und prägte den Ort als Architekt bis heute. Sein Bruder Hermann Gradl d. Ä. schuf mit dem Nymphenburger Fischservice eine Ikone des deutschen Jugendstils.

  • Amtliches Baudenkmal: Landhaus Seestraße 47, um 1910
  • Art-déco-Ufermauer, 1920er Jahre
  • Grand Prix, Weltausstellung Paris 1900
  • Fischservice Nymphenburg – bis heute gefertigt

Warum das Westufer?

Eine Bahnlinie verändert eine Landschaft

1898

Die Bahn kommt

Die Ammerseebahn verbindet Schondorf, Utting und Dießen mit Augsburg und – über Geltendorf – mit München. Ausflugszüge bringen die Städter an den See.

1893–1911

Die Künstler folgen

Paul Hoecker malt mit seinen Schülern in Holzhausen; Maler der Künstlergruppe „Scholle“ wie Erler, Münzer, Georgi und Thöny werden Nachbarn am Westufer.

1910

Die Gradls am See

Max Joseph Gradl verlegt Wohnsitz und Atelier nach Schondorf – vom europaweit gefragten Schmuck- und Schriftkünstler zum Architekten des Westufers.

Zwei Brüder aus Dillingen

Leben & Stationen

Max Joseph Gradl

1873 Dillingen a. d. Donau – 1934 Landsberg am Lech

Maler · Gebrauchsgrafiker · Schmuck- und Schriftkünstler · Architekt

  • 1873 in Dillingen an der Donau geboren; 1888–1892 Studium an der Kunstgewerbeschule München.
  • Ab 1899 Schmuckentwürfe für die Bijouteriefabrik Theodor Fahrner, Pforzheim – Jugendstil-Schmuck von europäischem Rang; Mitarbeit beim Verlag Alexander Koch, Darmstadt.
  • Schrift- und Buchkünstler in Stuttgart (1901–1910): Alphabete und Zierschriften für Schriftgießereien – bis heute digitalisiert, u. a. als „Gradl Initialen“.
  • Ab 1910 in Schondorf: Landhäuser und Villen am Westufer (Seestraße 47, Seeberg 11, Röhm-Anwesen), Christuskirche Utting (1927), Art-déco-Ufermauer und Badehaus (1928).
  • 1934 in Landsberg am Lech gestorben – viele seiner Bauten stehen heute unter Denkmalschutz.

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Hermann Gradl d. Ä.

1869 Dillingen a. d. Donau – 1934 Landsberg am Lech

Jugendstil-Entwerfer · Porzellan, Zinn und Keramik

  • 1869 in Dillingen an der Donau geboren, älterer Bruder von Max Joseph; 1895 Abschluss an der Kunstgewerbeschule München.
  • Entwurfszeichner für Metallwarenfabriken, ab 1897 für die spätere Orivit AG in Köln – Zinngerät des floralen Jugendstils.
  • 1899–1905 an der Königlichen Porzellanmanufaktur Nymphenburg: 1899 Entwurf des berühmten Fischservice.
  • Grand Prix der Weltausstellung Paris 1900; weitere Entwürfe u. a. für Villeroy & Boch, Mettlach.
  • 1934 in Landsberg am Lech gestorben; sein Service wird bis heute als „Belle Epoque“ gefertigt.

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