Max Joseph Gradl
Alphabete des Jugendstils
Bevor Max Joseph Gradl Häuser baute, formte er Buchstaben: Seine Alphabete und Zierschriften gehören zu den charakteristischsten Schriftschöpfungen des deutschen Jugendstils.
Das Klingspor-Museum für Buch- und Schriftkunst führt Max Joseph Gradl als Schriftkünstler: Seine handgezeichneten Alphabete erschienen um 1900 in Vorlagenwerken und wurden von Schriftgießereien aufgegriffen. Bis heute leben sie in digitalen Fassungen fort – Fonts wie „Gradl“, „Gradl Initialen“ oder „Gradl Zierschriften“ tragen seinen Namen in die Gegenwart.
Die Schrift war Teil eines größeren gestalterischen Kosmos: Als Mitarbeiter des Darmstädter Verlegers Alexander Koch („Deutsche Kunst und Dekoration“) und als Entwerfer für die Pforzheimer Schmuckfabrik Theodor Fahrner arbeitete Gradl in nahezu allen Medien des Jugendstils – vom Buchschmuck über Bijouterie bis zur Fläche des Ornaments. Die sanft geschwungene, florale Linie ist dabei stets seine Handschrift.
1910 wechselte Gradl das Maßstabssystem: vom Buchstaben zum Bauwerk. Wer seine Schondorfer Häuser, die Ufermauer oder die Christuskirche in Utting betrachtet, erkennt den Schriftkünstler wieder – in der Sicherheit der Linie und der Lust am sprechenden Detail.
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